LI. “spirtual bypassing”

Spiritual Bypassing. Ein Begriff der sich in der “spirituellen Szene” immer mehr breit macht. Von was ist hier überhaupt die Rede ?

Eine spezielle Art auf dem spirituellen Weg, die Realität zu vermeiden. Spirituelle Vermeidung, wörtlich übersetzt. Es geht um die Tendenz, sich sehr schnell in die geistliche, spirtuelle Welt zu begeben, mit dem Bemühen, verschiedene Aspekte aus der irdischen Realität zu vermeiden. Auf eine Art ist es eine Station auf dem spirituellen Weg, eine für mich ziemlich vertraute Station. Man genießt diese Pseude-Transzendenz, bevor man sich wieder in die Welt der unerledigten Sachen stürzt. Kurz gesagt in die Wahrheit und Realität stürzt. Ein Weg die Realität halbwegs erträglich zu gestalten.  In unterschiedlichsten Formen tretten diese dualen Persönlichkeiten auf.

In einer Welt des Leidens gibt es uns die Möglichkeit uns an Visionen festzuhalten die wir an unserer lokalen Umgebung all zu sehr vermissen. Eine Neigung die einem helfen kann in vielen Situatuionen weniger zu leiden. Gleichzeitig eine Neigung die uns auf dem Weg zur echten Spiritualität, der gelebten Spiritualität, einzig und allein nur davon abhält, ja sogar trennt, von dem was wirklich zählt.

Eine Tendenz sich in den Geist oder Verstand zu flüchten. Ein Kopftripp um sich von der Welt der Gefühle zu lösen. Geht mit der Unfähigkeit einher, aus dem Herzen zu sprechen und gefühltes Erleben wirklich zu verkörpern. Pragmatismus kann hier auch eine große Rolle spielen. Sich stehts auf die Praktiken des Lebens zu stürzen, um in der materiellen Welt Erfolg zu haben, gleichzeitig aber früher oder später spirituell Bankrott zu sein. Das ganze kann aber auch darauf gestüzt sein, dass es kein Fehlverhalten gibt, um die eigene Verantwortung für falsches Handeln zu umgehen. Eine weiter Ausprägung ist der Vergebungsbypass, sich Vergebungen von ungelösten Beziehungsproblemen und Emotionen vorzutäuschen. So als wäre der Vergebungprozess wichtiger, als der Prozess der Heilung. Doch ware Vergebung ist unumgänglich, sie fordert eine echte Konfrontation mit unseren Emotionen und Erlebnissen.

 

“Wach nenne ich den, der mit dem Verstand und Bewußstsein sich selbst, seine innersten unvernünftigen Kräfte, Triebe und Schwächen kennt und mit ihnen zu rechnen weiß.”

Hermann Hesse

 

 

XLVII. “think”

die Gesellschaft, die Demokratie ist nervös. Es wirkt alles sehr zerbrechlich und labil. Ich versuche diese gesellschaftliche Unruhe als belebend aufzufassen. Temporäre Lichtblicke sind spürbar. Lichtblicke entstehen indem wir Narrative erkennen und aus der Matrix aufwachen. Narrative sind sinnstiftende Erzählungen, die Einfluss auf die Art, wie wir die Welt sehen oder anders gesagt wie die Umwelt wahrgenommen wird. Sie transportieren Werte und Emotionen. Es geht nicht darum einem ratzugeben oder zu belehren, sondern einfach zum Nachdenken anzuregen. In einer Zeit, in der Journalisten die besseren Juristen sind ist es alles andere als einfach ein Ideal zu entwickeln.

“Das Denken widersetzt sich der durchgerechneten Antwort, auch weil es selbst die klare Intuition hat, dass Bedeutung und Sinn sich nicht messen lassen. Es macht oft aufreizend  langsam, wenn es verstehen will, was in der Eile schon entschieden sein muss. Es sucht nach Begriffen, die überzeugen und schätzt aus diesem Grund den Widerspruch sehr. Deshalb kann es, auch wo es behäbig wirkt oder gar narrenhaft, doch zugleich Avantgarde sein, weil es sich gegen alltäglichen Selbstverständlichkeiten sträubt: Es will spielen.”  Die ZEIT Oktober 2018

Haben wir nicht genug von der universellen Politik des Reparierens und der Pflege? Kann digitale Arbeit menschlich sein? Was heißt heute Eigentum? Für wen tragen wir heute Verantwortung? Was ist Heimat? Wofür gibt es nationale Grenzen? Ist die Zeit der Menschenrechte vorbei? Was ist gewiss ?

Worüber denkst du ?

“Wir denken selten beim Licht an Finsternis, beim Glück an Elend, bei der Zufriedenheit an Schmerz, aber umgekehrt jederzeit.” Immanuel Kant

XLVI. “progress “

Nach einer etwas längeren Schreibpause bin ich heute wieder zurück. Es war nicht nur eine Schreibpause, sondern auch wieder eine Weiterentwicklung. Gedanken kreisen lassen und ausloten. Spricht das Ego oder ist es die meist vom Ego übertönte innere Stimme, die Herzensstimme, von der wir uns leiten lassen? Kein anderer Weg führt uns zum Ziel der höchsten Lebenskunst, als die Überwindung des Egoismus. Das ist die höchste Entwicklung der Persönlichkeit. Die meisten versuchen sich einzugliedern und das objektiv beste zu geben. Das führt zu eine Verflachung und formt uns zum gleichförmigen Kollektiv.

Wir neigen dazu uns aufzuregen, über die Politik und das System, dabei müssen wir nicht bei den politischen Methoden und Regierungsformen beginnen. Wollen wir wieder Geister haben die uns Zukunft bringen, müssen wir an der Persönlichkeitsentwicklung arbeiten. Ich vergesse es über andere zu Urteilen und Kritik zu üben, weil ich selbst voll von Zweifeln an mich selbst bin.

Unfassbar, auch wenn die Erkenntnis bereits geschehen ist, bedeutet es noch lang keine Veränderung oder Umsetzung. Es ist eher der Beginn des Kampfes zwischen Ego und das was man wirklich für richtig hält. Je mehr Niederlagen das wahre Ich erfährt, desto Stärker wird es. Hinfallen, aufstehen. Hinfallen aufstehen. Wir lernen es als Kind verlernen es und müssen es wieder neu erlernen.

 

” Die Welt will vom Geist nichts wissen. Dem Egoismus der Menschen ist jedes Ideal verhasst, das mehr von ihnen fordert als eine höfliche Maske.”

Hermann Hesse